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ÖFFNUNG UND SAMMLUNG |
I 2004 |
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MYSTIK UND PERSON |
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Nicht die Dinge, wir selbst stehen dem Geheimnis im Wege |
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Wir aber sind so gefesselt, daß wir die Unendlichkeit - die Überzähligkeit" des "Erlebnisses" - für gewöhnlich nicht bemerken. Nur in bestimmten flüchtigen Erfahrungen werden wir vorübergehend inne, worum es geht.
Dann wird diese Fülle näher zu Gefühl gebracht, und durch jede Bestimmung erwächst dem Offenen ein weiterer Name. Es ist das "Reine", von keinem Begehren noch Gebrauch Befleckte, das "Unüberwachte, das man atmet und unendlich weiß"
Das Kind hat eine ursprüngliche Beziehung zum Offenen. In seiner frühesten Zeit lebt es ganz in der auf dieses zugehenden kreatürlichen Bewegung.
Es lebt blinkend ins Offene hinaus, und ist eben damit wahrhaft innerlich, atmend, in Allem seiend.
Sobald man aber "nah dem Tod" ist, oder dieser schon begonnen hat, sieht man das Geheimnis nicht mehr, sondern "starrt hinaus", ins Offene. Dann ist der Mensch nur noch Kreatur. Wir kehren dem Freien den Rücken zu und wenden uns "der Schöpfung", dem raum- zeitlichen Konkreten zu. Von seinem Licht sehen wir bloß "die Spiegelung", den geheimnisvollen Abglanz auf den Dingen; es selbst schauen wir nie, denn nicht irgend ein Ding, sondern wir selbst stehen im Wege.
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über die achte Elegie von Rainer Maria Rilke
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Unter dem Titel "Das spirituelle Vakuum: Die entbehrte Mystik" führt der Religionsphilosoph Eugen Biser in seinem Buch "Glaubensprognose" aus: Wenn die Anzeichen nicht trügen, steht das Christentum insgesamt im Begriff, sich von seiner moralischen Selbstdarstellung [..] zu verabschieden, um in seine mystische Zukunft einzutreten. Da eine derartige Verabschiedung sich niemals reibungslos, sondern immer nur in Stauungen, Konflikten und Brüchen vollzieht, sind die gegenwärtigen Spannungen [..] aus der Natur des Übergangs zu erklären. Verständlich wird in dieser Sicht vor allem die moral- und sexualethische Engführung der kirchlichen Doktrin, die nun als nachdrückliche Manifestation einer sich primär als moralische Autorität verstehenden Kirche erscheint; [..] Die Glaubensgemeinschaft wird in ihrer sensiblen Spitze mit aller Kraft dem Kommenden entgegenstreben, wenn nicht gar es vorwegnehmen. Karl Rahner versicherte, der Christ der Zukunft werde ein Mystiker sein oder er werde überhaupt nicht sein. Damit setzte er Nietzsches aggressiver Untergangsprognose die Überzeugung von einem zu seiner eigenen Innerlichkeit erwachenden Christentum entgegen. Diese Mystik-Prognose läßt sich durch eine theologische Deutung der neueren Geistesgeschichte stützten, sofern sich diese wie ein sich zusehends verschärfender Disput um den ontologischen Gottesbeweis ausnimmt. |
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Herbst 1925 - Neunter Brief vom Comer See von Romano Guardini
Ich fühle ein Tieferwerden vor sich gehen. Der heutige Mensch ist nicht mehr der sicher und anmaßend in der Sphäre physischer und psychischer Realität sich bewegende der neunziger Jahre. Es ist, als ob sich ein innerer Raum auftue und den Menschen heransauge. Eine Sehnsucht ist da, nach dem Inneren, nach dem Stillwerden; danach, aus der Hetze herauszutreten in die Sammlung. Aber nicht so, daß diese Sammlung das Sein und Tun des sonstigen Lebens verleugnete, sondern mitten drin. Wir ahnen Möglichkeiten des Gesammeltseins und einer Innerlichkeit im Täglichen, im Leben, wie es heute ist. Ich glaube, wir werden einsehen, daß Technik und Wirtschaft und Politik selber einer Stille und Inbrunst bedürfen, um ihre Aufgabe zu lösen. Der in der Welt stehende bedarf der Kunst, in sich selber, und in einem Tieferen, als er selbst, Stand zu fassen, um von dort her diese Welt zu packen. Und so unsicher unsere Zeit ist, so skeptisch, so suchend und heimlos, es gibt heute, glaube ich, nicht Wenige, die unmittelbar vor Gott stehen. Eine Welle drängt von Ihm her und brandet dort an, wo in unserem Tiefsten die Grenze läuft, und dahinter ist das Andere. Es ist möglich, daß Menschen miteinander reden und handeln, und Schicksale sich begeben, und kein Wort wird von Gott gesprochen, und doch ist alles von ihm voll. Dort wird im Letzten die Frage entschieden, die uns gestellt ist. Ob wir mit unserem Tiefsten zu Gott kommen, zu ihm hinübertreten, und von ihm her, aus seiner Freiheit und seiner Kraft, Herr werden über das Chaos; das wird die Entscheidung sein. ... Mir ist, als spüre ich all die Kräfte am Werk. Ein gewaltiges Heransteigen .. Ein inneres Sich-Auftun .. Ein Hervordrängen von Gestalt überall.." |
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Emanuelle Lèvinas
"Die
Sammlung des Seins, welche die Objekte erhellt und ihnen Bedeutung
verleiht, ist nicht irgendeine Anhäufung von Objekten. Sie bedeutet das
Sich-Ereignen dieser nicht-naturhaft Seienden eines neuen Typs, dieser
Seienden, welche Kultur-Objekte-Gemälde, Gedichte, Melodien - sind, sie
bedeutet aber auch die Wirkung jeder linguistischen und manuellen Geste
der banalsten Aktivität, die durch das Evozieren früherer kultureller
Schöpfungen schöpferisch ist. Diese kulturellen "Objekte" fügen
die Zerstreuung oder Anhäufung der Seienden zu Totalitäten zusammen.
Sie leuchten und strahlen; sie drücken eine Epoche aus oder erhellen
sie, wie wir zu sagen pflegen. In ein Ganzes sammeln, das heißt: ausdrücken,
und das heißt noch einmal: die Bedeutung möglich machen - das ist die
Funktion des "Objekts, das Werk oder kulturelle Geste ist".
Und so entsteht eine neue Funktion des Ausdrucks, während die ihm
bisher beigelegte Funktion darin bestand, entweder als Mittel der
Kommunikation zu dienen oder dazu, die Welt im Blick auf unsere Bedürfnisse
umzugestalten. ... |
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